Die Sophienhöhe bekommt ihr Besucherzentrum (BIZ)

Luftbild Sophienhöhe

Wer heute über die Sophienhöhe wandert oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, erlebt eine Landschaft, die es ohne den Tagebau Hambach nicht gäbe. Seit Ende der 1970er-Jahre wurde hier Abraum aufgeschüttet, bereits wenige Jahre später begann die Rekultivierung. Über Jahrzehnte sind Wälder und Offenlandflächen entstanden, neue Lebensräume haben sich entwickelt. Mit dem geplanten Besucher- und Informationszentrum sollen die Themen Landschaftsentwicklung, Rekultivierung und Ökologie künftig unmittelbar vor Ort vermittelt werden.

Goldene Aue auf der Sophienhöhe

Diese Entstehungsgeschichte macht die Sophienhöhe zu einem besonderen Ort im Rheinischen Revier. Sie erzählt von Tagebau und Rekultivierung, von Eingriff und Neuanfang und von einer Landschaft, die sich bis heute weiter verändert. Das Besucher- und Informationszentrum soll helfen, diese Geschichte zu erzählen. Nicht als klassische touristische Attraktion mit immer neuen Angeboten, sondern mit der Landschaft selbst im Mittelpunkt. 

„Die Sophienhöhe steht für den Wandel des Rheinischen Reviers wie kaum ein anderer Ort. Mit der Rekultivierung und der Entstehung des Hambachsees wächst zugleich das Interesse an dieser besonderen Landschaft. Das Besucher- und Informationszentrum soll diesen Wandel sichtbar machen, Orientierung geben und dazu beitragen, Naturerlebnis, Wissensvermittlung und die Bewahrung des besonderen Landschaftscharakters sinnvoll miteinander zu verbinden“, so Matti Wirth, Projektleiter bei NEULAND HAMBACH.

Genau hier setzt das Besucher- und Informationszentrum an: Es vermittelt Wissen, gibt Orientierung und schafft einen bewussten Zugang zur Landschaft. In der Ausstellung erfahren Besucher:innen, wie die Sophienhöhe entstanden ist, wie Rekultivierung funktioniert und wie sich Flora und Fauna auf den neu geschaffenen Flächen entwickelt haben. Zugleich lässt sich vom Standort auf der Goldenen Aue beobachten, wie aus dem Tagebau Hambach eine neue Landschaft und schließlich der Hambachsee entsteht. Damit folgt das Projekt einem Grundsatz des 2023 erarbeiteten Struktur- und Nutz­ungs­kon­zepts zur touristischen Inwertsetzung der Sophienhöhe und dem im Beteiligungsprozess gemeinsam entwickelten Leitbild [Link]: Naturerlebnis und Naherholung sollen weiterentwickelt werden, ohne den besonderen Charakter der Landschaft zu verlieren. Neue Angebote sollen sich behutsam einfügen und einen konkreten Zweck erfüllen.

Warum die Sophienhöhe der richtige Standort ist

Eine zentrale Idee des Informationszentrums ist die Verbindung von Ausstellung und Landschaft: Was drinnen vermittelt wird, lässt sich draußen unmittelbar erleben. Denn auf der Goldenen Aue treffen unterschiedliche Entwicklungsphasen der Rekultivierung aufeinander, während sich zugleich der Blick auf den Tagebau und den zukünftigen Hambachsee öffnet. Das Zentrum wird so zum Ausgangspunkt für Exkursionen, Führungen und eigene Erkundungen durch die Rekultivierungslandschaft der Sophienhöhe.  

Der Standort wurde so gewählt, dass wertvolle Landschaftsstrukturen möglichst geschont werden. Das Gebäude entsteht nicht im weitgehend endgestalteten Teil der Sophienhöhe und nicht in ausgewiesenen Naturschutzbereichen, sondern auf neu aufgeschütteten Bereichen nahe der Innenkippe. Das Gebäude wurde bewusst von gewachsenen Waldstrukturen und den Flächen der Ganzjahresbeweidung abgerückt und auf einem benachbarten Hügel positioniert. 

Besucher:innen lenken, sensible Räume schützen

Eine Frage wurde in den bisherigen Beteiligungsverfahren immer wieder gestellt: Wie viel touristische Nutzung verträgt dieser Naturraum? Denn das Besuchszentrum wird Menschen anziehen und ein Teil von ihnen wird auch die Umgebung erkunden wollen. Gerade deshalb werden Zentrum, Wege und Landschaft gemeinsam geplant. Das Struktur- und Nutz­ungs­kon­zept sieht für die Goldene Aue eine behutsame Erschließung und gezielte Besucherlenkung vor. Attraktive, klar geführte Wege sollen Naturerlebnisse ermöglichen und zugleich sensible Bereiche schützen. Im Projekt Naturerlebnis Sophienhöhe werden diese Ansätze weiterentwickelt. 

Ebenso wichtig ist die Frage, wie Besucher:innen auf die Sophienhöhe gelangen. Die Planung setzt auf die Anbindung an das Rad- und Wanderwegenetz und künftig insbesondere an den Hambach Loop. Gleichzeitig wird die Zufahrt über eine Betriebsstraße weiter konkretisiert. Hinweise aus Bürgerbeteiligung und Naturschutzkreisen, etwa zu einer stärkeren beziehungsweise automatisierten Beschränkung der Zufahrt, sind in die weitere Planung eingeflossen. Die Straße zum Standort wird dabei nicht allein für das Besucher- und Informationszentrum geplant. Ihre Herstellung ergibt sich aus dem genehmigten Braunkohlen­plan. Sie ermöglicht zugleich, dass auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Standort erreichen können. 

Naturschutz als des Erlebnisses 

Natur- und Artenschutz sind deshalb nicht nur Anforderungen an die Planung, sondern sollen selbst Teil der Vermittlung werden. Auch die bauliche Planung wird darauf abgestimmt. Anregungen aus Naturschutzkreisen wurden bereits aufgegriffen, unter anderem bei der Fassadengestaltung mit Blick auf den Vogelschutz, der naturnahen Gestaltung der Außenbereiche und der Besucherlenkung. Für die auf der Goldenen Aue vorkommenden Arten werden die erforderlichen artenschutzrechtlichen Maßnahmen Bestandteil der weiteren Planung sein. So soll auf der Sophienhöhe ein Ort entstehen, von dem aus sich diese besondere Landschaft verstehen und entdecken lässt – und der zugleich dazu beiträgt, ihren Charakter zu bewahren.